Selbstgewähltes Gehalt - oh, wie romantisch


Wenn ich mein Gehalt selbst bestimmen könnte, dann ja dann…..So oder so ähnlich hat wahrscheinlich schon
jeder einmal geträumt und in seiner Fantasie bereits in Luxusgüter investiert. Für mich ging dieser „Traum“ in
Erfüllung (also das mit dem selbstgewählten Gehalt) – Das Ergebnis: 20% weniger als zuvor. Das Überraschende,
es hat sich auch noch gut angefühlt.

Was bisher geschah:
Ist es nicht komisch, da rackert man sein halbes Leben, um endlich diesen einen Posten zu bekommen, endlich „seine“ Leute zu haben, um dann feststellen zu müssen, dass sich irgendwie kein überschwängliches Glücksgefühl einstellen will.

Gehen wir die Checkliste nochmal durch:
– Position erreicht – CHECK
– Chef sein – CHECK
– Macht – CHECK
– Firmenwagen – CHECK
– Gehalt – CHECK
– Miteinander für ein übergeordnetes Ziel arbeiten – FAIL
– Zufriedenheit / Glück / Erfüllung – FAIL

Jeder erfahrene Unternehmenslenker wird nun denken, „ja klar, von was träumt der denn auch? Das hätte ich Ihm
vorher sagen können! Dafür bekommt er doch das angemessene Gehalt mit Schmerzensgeld-Anteil.“
Aber irgendwie wollte und konnte ich mich damit nicht ab􀁻nden. Und so kam das Unausweichliche – der Wechsel
zu einer selbstorganisierten Organisation oder wie man heute dazu sagt NewWork. Garniert mit einem
glaubwürdigen Eindruck, dass Alle an das Gleiche glauben und bereit sind dafür Alles zu geben.
Nachdem ich mich auch nach zwei Tagen Probearbeiten immer noch nicht davon abhalten lassen wollte zu dieser
Gemeinschaft gehören zu wollen. Ging es also an die Aushandlung der verschiedenen Rahmenbedingungen –
unter anderem das Gehalt.

Spielregeln der Gehaltswahl

Ich kannte die Gerüchte, Geschichten und Überlieferungen der durchaus ungewohnten Findung des Entgeldes
bei V&S. Jeder legt es selbst fest!
Dabei gibt es aber einige Spielregeln.
Spielregeln die aus meiner Sicht den Unterschied machen –

Schritt I – V:
I) Man erhält die Gehaltsliste aller Kollegen. Inklusive einiger Eckdaten um die Erfahrung und den Beitrag für das
Unternehmen besser einschätzen zu können
II) Die Kollegen werden gebeten sich zu zwei Fragen Gedanken zu machen a) Was sollte der neue Kollege mindestens bei uns verdienen / was ist mindestens angemessen für seine Ausbildung / Erfahrung / Beitrag für
das Unternehmen? b) ab welchem Gehalt sollte er unser Unternehmen besser verlassen / ab wann würde ich mich
ungerecht behandelt fühlen? Die dadurch entstehende Punktewolke bekommt man im Anschluss ausgehändigt.
III) Die Übung II führt man für sich selbst durch a) was will ich mindestens / darunter mache ich den Job nicht b) bei
welcher Angebotssumme von extern würde ich das Unternehmen wieder verlassen?
IV) Konsultation mit mindestens zwei Kollegen. Es werden die Gedanken, Bedenken, Überlegungen aber auch
Gefühle geteilt.
V) E-Mail mit Entgeldsumme verfassen und absenden.
Warum habe ich nun 20% weniger als zuvor gewählt? Weil es fair und angemessen war!

Experiment

Suche Dir einen Vertrauten / eine Vertraute (im Idealfall bereits in der eigenen Organisation, Ansonsten gerne
Bruder, Schwester, Freund oder Bekannten – Wichtig ist, dass er deinen Job einschätzen können muss). Nun führt
Ihr Schritt I-III durch und vergleicht die Ergebnisse. Solltet Ihr danach noch miteinander sprechen – diskutiert.

Diesen Artikel kann man sich auch als Podcast anhören: V&S – Podcast
(auch bei iTunes – „V&S – Der Podcast“)